Chronik

Die Anfänge der „Borkemer Faschenacht“ reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im Archiv in Würzburg wird bereits 1583 ertsmals die Faschenacht und das närrische Treiben in Osterburken urkundlich erwähnt.

Die Niederschrift ist nicht gerade mit einem freudigen Ereignis verbunden, denn es fand am Faschenachtsdienstag ein Hexenprozess statt, der vermutlich wegen einer Frau abgehalten wurde, die an Faschenacht zur arg die Leute, insbesondere die Männer „achierte“ und „geutzt“ hatte.

 

Dieses faschenachtliche Treiben wurde damals von der Geistlichkeit und der weltlichen Obrigkeit nicht gerne gesehen, die immer wieder versuchten dasselbe durch behördliche Auflagen einzuschränken.

Es waren in jener Zeit tatsächlich in der Hauptsache die Frauen, die sich als Herren oder als „Herrle und Frääle“ verkleideten, von Wirtschaft zu Wirtschaft zogen – was heute noch geschieht-, um den Herren, wenn auch scherzend, die Meinung zu sagen und ihre Verfehlungen anzuprangern.

Die Hexen sowie „Herrle“ und „Frääle“ sind Symbolfiguren der Borkemer Faschenacht und sind bei allen Umzügen jedes Jahr mit von der Partie.

 

Über eine organisierte Faschenacht wird erstmals in den, im original nach vorhandenen Aufzeichnungen der Hügelsdorfer-Herrengesellschaft berichtet.

Einweiterer Beweis für eine organisierte Faschenacht wurde ebenfalls in den Akten der Hügelsdorfer gefunden. Es ist ein handgeschriebener Einakter aus dem Jahre 1894 mit dem Titel „Die gut gezogenen Ehemänner“, was gleichbedeutend einer heutigen Büttenrede entsprach. Ebenso wird vom Treiben eines Strohbären in den Ortsstraßen berichtet. Der Strohbär ist zweifellos neben den Hexen, Herrle und Frääle, die urtümlichste Gestalt der Borkemer Faschenacht.

 

Der Bär war über unsere Heimatgrenze hinaus so bekannt, dass er im Jahre 1975 vom ZDF in Mainz zu Aufnahmen eingeladen wurde. Hierbei übergab der Bär und seine Mannschaft, das in der Kampagne erhaltene und gesammelte Geld als Spende der „Aktion Sorgenkind“.

 

Nach dem 2. Weltkrieg lebten die alten Bräuche wieder auf in dem die Vereine ihre traditionellen Kostüm- und Maskenbälle durchführten. Im Jahre 1950 wurde die Faschenachtsgesellschaft „Feurio“ gegründet, die die Borkemer Faschenacht erneut belebte und förderte.

Glänzende Prunk- und Fremdensitzungen sowie Faschenachtsumzüge wurden abgehalten die überall bekannt und über Osterburken hinaus Anklang fanden.

Die Faschenachtsgesellschaft „Feurio“ war im Jahre 1952 auf Mitbegründerin des Narrenrings Main-Neckar. Sie richtete auch die erste Eröffnungssitzung des Narrenrings im Jahre 1954 aus.

 

Obwohl dann später die FG „Feurio“ sich aus einer gewissen Vereinsmüdigkeit heraus auflöste, blieb die Borkemer Faschenacht hellwach. Die örtlichen Vereine hielten ihre traditionellen Bälle ab. Allen voran war es die Kolpingsfamilie, die einen Elferrat bildete und dafür sorgte, dass wieder glänzende Prunk- und Galasitzungen abgehalten wurden.

 

Um für die Borkemer Faschenacht einen größeren Rahmen zu schaffen, wurde der „Elferrat der Stadt Osterburken“ ins Leben gerufen.

 

Die Geburtsstunde des „Elferrats der Stadt Osterburken“ war am 08. November 1963. Der damalige Gemeinderat der Stadt erließ hierzu die Statuten, wonach jedes Jahr am „11. im Elften“ der Elferrat mit seinem Präsidenten an der Spitze eingesetzt wird. Ein Wahlgremium, das aus dem Bürgermeister und Gemeinderat, den Vereinsvorständen, Einzelpersönlichkeiten und den Mitgliedern des Elferrates der vergangenen Saison besteht, wählt, immer im Mai in geheimer Wahl den Präsidenten, der dann seine Elferräte benennt.

 

So wurde 1964 die erste Prunksitzung des Elferrates der Stadt Osterburken in einer halbfertigen aber närrisch dekorierten Baulandhalle durchgeführt. Was damals auf der Bühne ablief, ließ alle Närrinnen und Narren vergessen, dass man mit den Füssen auf kaltem und rauem Betonboden stand und während der Sitzung auf Zeltgarnituren saß. So feierte man den ersten Geburtstag und nun das 44-jährige Jubiläum des Elferrates der Stadt Osterburken und der Narrenhochburg Baulandhalle.

 

Am 7. Mai 1966 wird der Elferat der Stadt Osterburken, Nachfolger der Faschenachtsgesellschaft “Feurio“ als Mitglied in den Narrenring aufgenommen.

 

Im Frühjahr 1968 bewarb man sich sehr erfolgreich um die Ausrichtung des 13. Fränkischen Narrentreffens, dessen Termin auf den 08. und 09. Februar 1969 in der Römerstadt festgelegt wurde.

 

Das Motto zum 13. Fränkischen Narrentreffen hieß:

„S` is soweit, s`Wüschele schreit“.

Das Wüschele bzw. das Wiesel gilt von jeher als Symbolfigur der Borkemer Faschenacht, da angenommen wird das die Schlauheit, Gewandtheit, Flinkheit und eine gewisse Hintergründigkeit dieses Tieres der Mentalität und Art der Borkemer entsprechen.

Es beteiligt sich eine ständig wachsende Anzahl von kleinen und großen Wüschele an der Borkemer Faschenacht. Selbst unser Präsident ist als Wüschele bei den Gastabordnungen vertreten.

 

Ein besonderer Platz in der Borkemer Faschenacht nehmen die Tanzgarden ein. Durch sie hat die Borkemer Faschenacht nach innen und außen einen hohen Stellenwert in der Faschenacht erreicht. Die Tanzgarden gliedern sich in die „Blauen Funken“, „Roten Funken“ und die „Elferratsgarde“.

 

Seit bestehen des Gardetanzturnieres des Narrenrings Main-Neckar fungiert der Elferrat der Stadt Osterburken als Ausrichter. Seit dem Jahr 2007 findet das Gardetanzturnier des Narrenringes in Lauda statt. Hierzu ist als Ausrichter die Narrengesellschaft Strumpfkapp Ahoi Lauda hinzugekommen.

 

Nachdem der Elferrat jahrzehntelang eine Institution der Römerstadt Osterburken war, wurde dieses Gebilde vom Gemeindeprüfungsamt beanstandet. Aus diesem Grund wurde am 08 Oktober 2004 der „Faschenachtsverein Elferrat der Stadt Osterburken e.V.“ gegründet.

 

 

Michael Walz, Vorstand.    Matthias Becker, Vorstandsmitglied und Kassier.

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